{"id":1586,"date":"2018-08-14T10:24:57","date_gmt":"2018-08-14T08:24:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hellaberent.de\/blog\/?page_id=1586"},"modified":"2020-12-22T15:13:18","modified_gmt":"2020-12-22T13:13:18","slug":"time-capsules-oldenburg-2014","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.hellaberent.de\/blog\/texts\/time-capsules-oldenburg-2014\/","title":{"rendered":"Text 3: Rede Marion Scharmann zur Er\u00f6ffnung Time Capsules, Landesbibliothek Oldenburg"},"content":{"rendered":"<p><center><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-1587 size-large lazyload\" data-src=\"http:\/\/www.hellaberent.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/1996-Rasa_Rasa_Rasa_Rasa-Gummi-H.B-1024x683.jpg\" alt=\"K\u00fcnstlerbuch 1996 Rasa Rasa Rasa Rasa, Gummi 1mm, Leinen, Pappe, \u00d6lstift - Hella Berent 1977 \u2013 2014 K\u00fcnstlerb\u00fccher TIME CAPSULE 2014 Landesbibliothek der Stadt Oldenburg, Oldenburg\" width=\"904\" height=\"603\" data-srcset=\"https:\/\/www.hellaberent.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/1996-Rasa_Rasa_Rasa_Rasa-Gummi-H.B-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.hellaberent.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/1996-Rasa_Rasa_Rasa_Rasa-Gummi-H.B-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.hellaberent.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/1996-Rasa_Rasa_Rasa_Rasa-Gummi-H.B-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.hellaberent.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/1996-Rasa_Rasa_Rasa_Rasa-Gummi-H.B-904x603.jpg 904w, https:\/\/www.hellaberent.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/1996-Rasa_Rasa_Rasa_Rasa-Gummi-H.B.jpg 1440w\" data-sizes=\"(max-width: 904px) 100vw, 904px\" src=\"data:image\/svg+xml;base64,PHN2ZyB3aWR0aD0iMSIgaGVpZ2h0PSIxIiB4bWxucz0iaHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMjAwMC9zdmciPjwvc3ZnPg==\" style=\"--smush-placeholder-width: 904px; --smush-placeholder-aspect-ratio: 904\/603;\" \/><\/center><\/p>\n<p style=\"font-size: 9px; margin-top: -30px; text-align: right; padding-right: 10px;\">K\u00fcnstlerbuch 1996 Rasa Rasa Rasa Rasa, Gummi 1mm, Leinen, Pappe, \u00d6lstift<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-1622 size-large lazyload\" data-src=\"http:\/\/www.hellaberent.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/1996-Rasa_Rasa_Rasa_Rasa-Gummi-H.B-904x603-3-1024x706.jpg\" alt=\"\" width=\"904\" height=\"623\" data-srcset=\"https:\/\/www.hellaberent.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/1996-Rasa_Rasa_Rasa_Rasa-Gummi-H.B-904x603-3-1024x706.jpg 1024w, https:\/\/www.hellaberent.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/1996-Rasa_Rasa_Rasa_Rasa-Gummi-H.B-904x603-3-300x207.jpg 300w, https:\/\/www.hellaberent.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/1996-Rasa_Rasa_Rasa_Rasa-Gummi-H.B-904x603-3-768x529.jpg 768w, https:\/\/www.hellaberent.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/1996-Rasa_Rasa_Rasa_Rasa-Gummi-H.B-904x603-3-904x623.jpg 904w, https:\/\/www.hellaberent.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/1996-Rasa_Rasa_Rasa_Rasa-Gummi-H.B-904x603-3.jpg 1500w\" data-sizes=\"(max-width: 904px) 100vw, 904px\" src=\"data:image\/svg+xml;base64,PHN2ZyB3aWR0aD0iMSIgaGVpZ2h0PSIxIiB4bWxucz0iaHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMjAwMC9zdmciPjwvc3ZnPg==\" style=\"--smush-placeholder-width: 904px; --smush-placeholder-aspect-ratio: 904\/623;\" \/><\/center><\/p>\n<p style=\"font-size: 9px; margin-top: -30px; text-align: right; padding-right: 10px;\">K\u00fcnstlerbuch 2011 Surface IV , Spanien K\u00f6ln Antalya, 83 Bl\u00e4tter, 30 x 21,5 cm, Farbstift, Bleistift, Collagen<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>HELLA BERENT \u00bbTime Capsules\u00ab, Landesbibliothek Oldenburg, 20.02.2014<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Rede der K\u00f6lner Galeristin <strong>Marion Scharmann<\/strong> aus Anlass der Ausstellungser\u00f6ffnung in der Landesbibliothek Oldenburg<\/em><\/p>\n<p>Mein sehr verehrten Damen und Herren, ich begr\u00fc\u00dfe Sie sehr herzlich und freue mich, dass ich heute ein paar Worte zur Ausstellung von Hella Berent in der Landesbibliothek sagen darf. Ich verfolge das Schaffen von Hella Berent nun schon seit einiger Zeit und sch\u00e4tze die Werke sehr, so wie die K\u00fcnstlerin selbst. Da ich die Person Hella Berent schon l\u00e4nger kenne als ihre Werke m\u00f6chte ich mit ein paar Worten \u00fcber Hella Berent beginnen, und ein paar Eigenschaften benennen, die sich in ihren Werken widerspiegeln.<br \/>\nHella Berent reist sehr gerne. Sie besucht die Fremde und taucht ein in laute, leise, gef\u00fchlvolle, gef\u00e4hrliche, andersartige, geruchsintensive, farbintensive Welten und sammelt Erfahrung um Erfahrung, die sie dann in ihren Werken mit uns teilt. \u00c4gypten, Indien, Iran, Italien kann man dabei vorrangig nennen. Zuletzt war sie in Kambodscha und Myanmar.<br \/>\nDie K\u00fcnstlerin durchmisst Raum und Zeit auf ihren vielen Reisen um die Welt und sie verkn\u00fcpft auch Raum und Zeit \u2013 in ihren Werken. Sie kennt dabei keine Grenzen, die R\u00e4ume, die sie durchquert sind genau wie ihre Kunst grenzenlos. Ebenso ist Hella Berent als auch ihre Kunst alterslos bzw. zeitlos. Hella Berent ist eine Frau, die viele Erlebnisse gesammelt hat und viel zu erz\u00e4hlen hat, aber sie hat sich auch eine Art Unschuld bewahren k\u00f6nnen, eine Art Naivit\u00e4t. Naivit\u00e4t ist im heutige Sprachgebrauch leider etwas negativ behaftet \u2013 der Begriff wird mit etwas Kindlich-Unerfahrenem und daher eher mit Dummheit gleichgesetzt, dabei steckt in der Naivit\u00e4t die Neugier, der Mut und die Offenheit; die Offenheit, Neues zu entdecken zu wollen, nicht verschlossen zu sein, keine Grenzen zu kennen. F\u00fcr mich hat das Wort Naivit\u00e4t eine sehr positive Bedeutung und in diesem Sinne m\u00f6chte ich es auch Hella Berent zuschreiben.<br \/>\nDie Grenzenlosigkeit und die Erfahrungen die Hella in ihrem Leben und besonders auf ihren Reisen durch Raum und Zeit gemacht hat, manifestieren sich in ihren Werken.<br \/>\nHella Berent dr\u00fcckt sich in unterschiedlichen Medien aus, neben Zeichnung u.a. auch in Keramik und Skulptur \u2013 ein zentrales Medium ist das Buch und aus dieser Serie an K\u00fcnstlerb\u00fcchern sehen wir hier in der Landebibliothek einen Querschnitt \u2013 von 1977 bis heute.<br \/>\nWas verbinden wir mit B\u00fcchern? Was wird uns in B\u00fcchern mitgeteilt? An Sprache werden wir denken und auch an Wissen. Hella Berent teilt uns ebenfalls ihr Wissen in diesen B\u00fcchern mit, doch nur in einigen wenigen F\u00e4llen durch Sprache (in diesen wenigen Sprachb\u00fcchern, setzt Hella Berent die Sprache allerdings so poetisch ein, dass gro\u00dfe Assoziationsr\u00e4ume entstehen.) Es sind nicht die Daten und Fakten, welche die K\u00fcnstlerin in ihren B\u00fccher verewigt, es sind die Emotionen, die intuitiven und subjektiven Erkenntnisse, die Stimmungen, die Empfindungen. Sie nimmt die Eindr\u00fccke der Welt in sich auf, verarbeitet sie und teilt sie uns dann in ihren B\u00fcchern mit. \u00c4u\u00dfere Bilder werden zu inneren Bildern und innere zu \u00e4u\u00dferen. Dort wo Sprache an seine Grenzen st\u00f6\u00dft, \u00fcberschreitet Hella Berent diese Grenzen mit ihrer Bildsprache. Denn es sind Bilder mit denen die K\u00fcnstlerin ihre B\u00fccher f\u00fcllt \u2013 Figuratives und Abstraktes zeigt sie uns oder die Farbe Blau, das Schwarz, das Wei\u00df.<br \/>\nWarum entscheidet sich Hella Berent f\u00fcr das Medium Buch, das mehr dem Wort verwandt ist und auch so schwer auszustellen ist? Es ist die Initimit\u00e4t, die sie fasziniert \u2013 denn man muss ein Buch in die Hand nehmen, ganz nah an den K\u00f6rper f\u00fchren und vor das Gesicht halten, um darin lesen zu k\u00f6nnen. Es entsteht ein unmittelbarer Dialog zwischen Buch und Leser oder in unserem Falle Betrachter. Denn durch die N\u00e4he, durch die Intimit\u00e4t bleibt der Betrachter nicht nur Konsument, er wird zum Dialogpartner, der seine eigenen Erfahrungen abruft und sie zum Teil des Werks macht.<br \/>\nHella Berent benutzt unterschiedliche Arten von B\u00fcchern, gro\u00df, klein, dick, d\u00fcnn und in mannigfaltigen, wunderbaren Materialien. Diese B\u00fccher l\u00e4sst sie \u00fcberwiegend nach Ihren Vorstellungen anfertigen, wie bspw. Ihre Gummib\u00fccher:<br \/>\nDiese B\u00fccher bestehen aus schwarzen, industriell gefertigten Gummibl\u00e4ttern, die kein Licht durchlassen, es aber reflektieren. Das Schwarz hat eine unglaubliche Tiefe und zieht uns in sich hinein \u2013 ein tiefer, stiller, schwarzer Raum entsteht, der uns auf uns selbst zur\u00fcckwirft und uns somit in uns selbst hinein zieht.<br \/>\nDas tiefe Schwarz, ich m\u00f6chte fast schon sagen, das tiefgr\u00fcndige Schwarz ist auch das Gegenteil der wei\u00dfen Seite. Die wei\u00dfe, leere Seite, die noch beschrieben oder bemalt werden muss \u2013 sie ist reine Oberfl\u00e4che, die es zu f\u00fcllen gilt, w\u00e4hrend das Schwarz schon per se tiefgr\u00fcndig zu sein scheint. Hella Berent bearbeitet die Gummiseiten daher auch nur in wenigen F\u00e4llen.<br \/>\nW\u00e4hrend die Gummib\u00fccher schwarz und dicht sind, bestehen die B\u00fccher mit Seidenpapieren aus fast transparenten Seiten, welche die vorherigen Seiten durchscheinen lassen.<br \/>\nHella Berent pr\u00e4sentiert uns darin Figuratives und abstrakte Gef\u00fcge \u2013 sie zeigt die menschliche Gestalt, Landschaften, das Meer, H\u00e4user aber auch das freie Zusammenspiel von Farben und Formen. Ganz frei, nur kontrolliert durch ihre Konzentration. Bunt aquarelliert und durchzogen von Linien. Die Linie ist das Herzst\u00fcck ihrer Werke.<br \/>\nAuf einigen Seiten bringt die K\u00fcnstlerin die Linien in eine Art Ordnung \u2013 Hierbei reiht sich Linie an Linie, Schicht um Schicht nebeneinander oder \u00fcbereinander \u2013 ganz \u00e4hnlich wie die Seiten in den B\u00fcchern aufgebaut sind. Sie wiederholt also in der Fl\u00e4che, im Bild, was sich in den B\u00fcchern r\u00e4umlich aufbaut. Das Papier wird \u00fcberlagert von einem n\u00e4chsten Papier und einem n\u00e4chsten, von Fl\u00e4che um Fl\u00e4che und von Farbschicht um Farbschicht und l\u00e4sst so ein r\u00e4umliches Objekt entstehen. Aus Fl\u00e4che wird Raum und beim Durchbl\u00e4ttern der Seiten wird der Raum wiederum in Zeit verwandelt.<br \/>\nBesonders interessant an den B\u00fcchern mit diesen d\u00fcnnen, transparenten Seiten ist das Durchscheinen. Jedes Blatt l\u00e4sst die Schichten darunter erkennen, diese f\u00fcllen das oberste Blatt zart aus, f\u00fchren eine Linie weiter, spinnen das Dargestellte weiter, f\u00fcgen es in eine R\u00e4umlichkeit und in eine neue Umgebung, die sich stets \u00e4ndert beim weiteren Umbl\u00e4ttern.<br \/>\nDiese Schichten, die teilweise das Darunter erkennen lassen, es teilweise aber auch verdecken, erinnern an ein sogenanntes Palimpsest.<br \/>\nIn der Antike und im Mittelalter, zu Zeiten als Papier noch teuer war und man es sich nicht leisten konnte, stets neues Papier zu verwenden, wurden beschriebene Papiere ges\u00e4ubert, um wieder verwendet werden zu k\u00f6nnen. Die Schrift wurde ausradiert, weggekratzt oder gel\u00f6scht, dann wieder \u00fcberschrieben. Da die ausradierte Schrift jedoch nie ganz gel\u00f6scht werden konnte, war ein Rest immer noch vorhanden. So enth\u00e4lt ein Palimpsest mehrere Schichten und tr\u00e4gt alles, was auf ihm geschrieben wurde, noch in sich. Die Spuren, egal ob gering oder nicht sichtbar, sind noch immer vorhanden.<br \/>\nSeit Mitte des 19. Jahrhunderts wird besonders in der Philosophie das Palimpsest als Metapher f\u00fcr das Ged\u00e4chtnis benutzt. Auch Sigmund Freud verglich unser Ged\u00e4chtnis mit einem Palimpsest: Die Spuren von Dingen, die wir vor Jahren erlebt haben, und die scheinbar vergessen sind, sind noch immer vorhanden, sie schlummern, in einer tiefen Schicht unseres Ged\u00e4chtnisses und k\u00f6nnen stets wieder aktiviert werden. Freud sprach davon, dass das Ged\u00e4chtnis eine \u00bbUnbegrenzte Aufnahmef\u00e4higkeit und [die] Erhaltung von Dauerspuren\u00ab (Sigmund Freud) in sich vereint.<br \/>\nSo wird in Hella Berents B\u00fcchern mit d\u00fcnnen Seidenpapieren mit jedem Bl\u00e4ttern Schicht auf Schicht gelegt, die ersten Seiten kann man nicht mehr sehen, doch sie sind noch da, sie sind das Fundament der anderen Seiten; durch das Durchschimmern sind die vorherigen Seiten jedoch noch zu sehen und sie ver\u00e4ndern die aktuell aufgeschlagene Seite, setzen diese Seite in einen anderen Kontext, der sich wiederum ver\u00e4ndert, wenn die n\u00e4chste Seite umgebl\u00e4ttert wird. Dies ist auch eine Metapher f\u00fcr das Leben, f\u00fcr unsere Erfahrungen, die stets in andere Kontexte gebracht werden, je nach Ort und Zeit. Dies ist gleichfalls eine Metapher f\u00fcr die Geschichte, die uns pr\u00e4gt \u2013 sie bildet gewisserma\u00dfen das unsichtbare Fundament unter dem Sichtbaren. Selbst wenn sie auf den ersten Blick unsichtbar ist, hat sie doch unser heutiges Ich mitgeformt.<br \/>\nDurch das Durchscheinen wird das Dargestellte in immer wieder neue Zusammenh\u00e4nge gebracht, aber neue Kontexte ergeben sich ebenso durch \u00dcbermalungen. Hier m\u00f6chte ich auf die \u00fcbermalten und collagierten B\u00fccher von Hella Berent verweisen:<br \/>\nIn den Collagen nimmt sie vorgefundenes Bildmaterial aus ihrer urspr\u00fcnglichen Einordnung heraus, verkn\u00fcpft es mit anderem Bildmaterial und \u00fcbermalt es teilweise und l\u00e4sst so ganz neue Geschichten entstehen.<br \/>\nDann bearbeitet sie aber auch bereits bestehende B\u00fccher, wie bspw. die Arbeiten mit dem Titel \u00bbParadox\u00ab. Dies sind B\u00fccher \u00fcber die klassische Skulptur und die toskanische Architektur, die mit Farbfeldern durchzogen werden und somit in einen neuen Zusammenhang gebracht werden. Die B\u00fccher werden somit aktualisiert, sie werden in eine neue Zeit transportiert.<br \/>\n\u00bbTime Capsules\u00ab nennt Hella Berent dementsprechend auch ihre Ausstellung.<br \/>\nZeitkapseln konservieren. Sie transportieren etwas aus einer bestimmten Zeit in eine andere, neue Zeit \u2013 Altes und Neues wird so mit einander verbunden.<br \/>\n\u00bbTime Capsules\u00ab sind auch die B\u00fccher von Hella Berent. Sie scheinen zeitlos und sie verkn\u00fcpfen die unterschiedlichsten Zeiten und R\u00e4ume miteinander. Alleine schon dadurch, dass Hella Berent manchmal aufh\u00f6rt, an einem bestimmten Buch weiterzuarbeiten. Es bleibt unvollendet liegen, vielleicht zwei Wochen, vielleicht auch zwei Jahre oder sogar 20 Jahre. Pl\u00f6tzlich nimmt die K\u00fcnstlerin es wieder auf und arbeitet daran weiter, so dass sich in einem Buch unterschiedliche Zeiten und Phasen spiegeln.<br \/>\nMit ihren B\u00fcchern verweist Hella Berent aber auch auf viele Jahrhunderte, die hinter uns liegen. An das Pergament der Antike werden wir erinnert, aber auch an die mittelalterliche Buchkunst, an die wundersch\u00f6nen, illustrierten Handschriften. Dann gibt es aber auch die Gummib\u00fccher aus einem modernen, industriell gefertigten Material. Hella Berent geht weit zur\u00fcck in der Zeit, aber bleibt stets auch im Hier und Jetzt und sie verweist in die Zukunft.<br \/>\nSo bindet sie in diese Ausstellung die neuen Medien mit ein. Wir sehen 11 Filme, in denen jeweils ein Buch durchbl\u00e4ttert wird. Die K\u00fcnstlerin pr\u00e4sentiert die B\u00fccher im Medium unserer Zeit. und dies ist gleichzeitig auch das Medium der Zeit.<br \/>\nDie B\u00fccher beinhalten beides, Raum und Zeit, und das erfahren wir nun ganz unmittelbar in diesen Filmen, in denen das Volumen des Buches wieder in die Fl\u00e4che zur\u00fcckgebracht wird und in dem ein Blatt nach dem anderen umgebl\u00e4ttert wird &#8230; im Fluss der Zeit.<br \/>\nUnterschiedliche Soundspuren untermalen das Durchbl\u00e4ttern der B\u00fccher, wie z. B: Meeresrauschen, Vogelgezwitscher, Ger\u00e4usche im Wald aber auch Musik.<br \/>\nEin akustischer Raum erweitert den Zeitraum sowie den Bildraum und den Erinnerungsraum.<br \/>\nDie Filme enden jeweils mit der letzten Seite und dann beginnen sie mit einem neuen Buch und ebenso ist auch die Arbeitsweise von Hella Berent, sie beendet ein Buch, doch der Arbeitsprozess der K\u00fcnstlerin ist nicht beendet, es geht weiter mit der ersten Seite des n\u00e4chsten, eines neuen Buches \u2013 ein unendlicher, grenzenloser Arbeitsvorgang. So wie sich Seite auf Seite legt, f\u00fcgt sich Buch an Buch.<br \/>\nDiese Grenzenlosigkeit und die Unendlichkeit erinnern auch an \u00bbDie Bibliothek von Babel\u00ab aus der Erz\u00e4hlung von Jorge Luis Borges &#8211; alle m\u00f6glichen B\u00fccher dieser Welt w\u00e4ren dort zu finden, alles was mit Sprache geschrieben werden kann, also alle m\u00f6glichen Kombinationen aller Buchstaben aller Sprachen. Dies beinhaltet nat\u00fcrlich sehr viel Unsinniges, aber auch alle Meisterwerke, die noch nicht geschrieben sind \u2013 die Anzahl der B\u00fccher ist unendlich und ebenso die R\u00e4ume der Bibliothek von Babel, in denen die B\u00fccher zu finden sind. Die Existenz der Bibliothek soll ewig w\u00e4hren, somit spricht Borges auch von der Unendlichkeit der Zeit.<br \/>\nUnd da Hella Berents eigenes Universum an B\u00fcchern in dieser Bibliothek nicht fehlen sollte, m\u00f6chte ich mit einem Zitat dieses argentinischen Schriftstellers und Bibliothekars enden.<br \/>\nDieses Zitat stammt aus der Erz\u00e4hlung \u00bbDer Garten der Pfade, die sich verzweigen\u00ab:<br \/>\nF\u00fcr mich beschreibt es, wie Hella Berent innere und \u00e4u\u00dfere Bilder verkn\u00fcpft genau wie Raum und Zeit und wie sie uns ihren ganz eigenen Kosmos vorf\u00fchrt.<br \/>\n\u201eJemand setzt sich zur Aufgabe, die Welt abzuzeichnen. Im Laufe der Jahre bev\u00f6lkert er einen Raum mit Bildern von Provinzen, K\u00f6nigreichen, Gebirgen, Buchten, Schiffen, Inseln, Fischen, Behausungen, Werkzeugen, Gestirnen, Pferden und Personen. Kurz bevor er stirbt, entdeckt er, dass dieses geduldige Labyrinth aus Linien das Bild seines eigenen Gesichts wiedergibt.\u201c (Jorge Luis Borges)<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/hellaberent.de\/REDE_engl.M.S._HELLA_ BERENT_LB Oldenburg.pdf\">PDF English<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00fcnstlerbuch 1996 Rasa Rasa Rasa Rasa, Gummi 1mm, Leinen, Pappe, \u00d6lstift K\u00fcnstlerbuch 2011 Surface IV , Spanien K\u00f6ln Antalya, 83 Bl\u00e4tter, 30 x 21,5 cm, Farbstift, Bleistift, Collagen HELLA BERENT \u00bbTime Capsules\u00ab, Landesbibliothek Oldenburg, 20.02.2014 Rede der K\u00f6lner Galeristin Marion Scharmann aus Anlass der Ausstellungser\u00f6ffnung in der Landesbibliothek Oldenburg Mein sehr verehrten Damen und Herren, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"parent":1546,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1586","page","type-page","status-publish","hentry"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.4 - 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